Berlin ist immer eine Reise wert

 

Wir fuhren bei sonnigem Wetter los und kamen im Schneeregen an. Es begrüßte uns ein Berlin unter Wolken, grau in grau und wenig einladend. Aber natürlich lässt man sich nicht für einen Kurzurlaub von nur wenigen Tagen die Laune vermiesen. Gegen Schneeregen hilft eine dicke Jacke und ein Café mit Blick auf das wuselnde Volk. Nur dieses auch finden, heißt die Devise.

 

Man kann in Berlin latschen und latschen und Strecken zurücklegen, die man sich niemals bei vollem Bewusstsein, sprich zu Hause, zumuten würde. Aber wenn man schon mal in der Großstadt verweilt, will man ja auch die große Stadt erkunden. Zu Fuß. Und wir haben in 2 Tagen alles mitgenommen, was man als Tourist mitnehmen kann. Adlon,  Brandenburger Tor,  KaDeWe, Gedächtniskirche, Alexanderplatz, Filmmuseum, Holocaust Mahnmal, Friedrichstadt-Palast und, und, und ...

 

Berlin ist freundlich. Abgesehen von der Dame, die uns nach Ankunft missmutig das 48-Stunden-Ticket für den Berliner Verkehr mit S- und U-Bahn verkauft hat, begegnete man uns mit Herzlichkeit.

 

 

Ein Lächeln hier, ein nette Bemerkung da. Egal, wo wir waren, in der S-Bahn, im Kaufhaus, ob es regnete, sich um uns herum drängelte, die Berliner begegneten uns stets mit einem Lächeln auf den Lippen.

Ich mag Berlin. Das schlechte Wetter war ihm prompt verziehen.

 

 

Es sind nicht immer die großartigen Sehenswürdigkeiten, die einen beeindrucken, manchmal ist es der Mensch selbst und das, was wir Autoren als "zwischen den Zeilen lesen" bezeichnen, das das Herz öffnen lässt.

Wie verwandelt war Berlin für mich, als ich begann, zwischen den Zeilen zu "lesen", mich von den kleinen Gesten der Menschen berühren zu lassen.

 

Die Dame mit dem Hund, die sich freundlicherweise auf einen anderen Platz setzt, damit ich aus dem Fenster des Busses fotografieren kann. Die Dame, die uns anlächelt, obwohl wir ihr aus Versehen auf die Füße getreten sind. Oder die Frau, die für einen Obdachlosen einen heißen Becher Kaffee und ein Brötchen kauft, um ihm beides mit guten Wünschen für den Tag in seine faltigen Hände zu drücken. Einfach so, ohne Pomp und Gloria.

Das macht Berlin aus. Eine Stadt mit großartigen Menschen. Eine Stadt mit einem großen Herzen.

 

Ich weiß, ich schwärme.

Es gibt auch noch ein anderes Berlin ...

 

 

Berlin ist auch architektonische Betonwüste und immerwährende Baustelle.

 

Aber wen interessiert das überhaupt? Etwa den Berliner?

 

Der Berliner scheint Pragmatiker zu sein. Er joggt frühmorgens an der Spree entlang, obwohl diese aussieht, wie ein zubetonierter Kanal, und er sitzt draußen auf den schon für den Touristen bereitsgestellten Stuhl (das Wetter ist nach wie vor lausig) und trinkt seinen Kaffee vor einer unschönen Bretterwand, hinter der eine Baustelle liegt.

 

Die Higlights

 

Auf jeden Fall der Friedrichsstadt-Palast. Eine Revue, die mitreißend war. Der Besuch einer Vorstellung im Friedrichstadt Palast ist ein MUSS für jeden Touristen. Die größte Bühne der Welt, so wird angepriesen. Bis zu 100 Tänzerinnen und Tänzer, die eine spektakuläre Show zeigen, so habe ich es gelesen. Die Lichteffekte sind grandios, die Akrobatik mitreißend. Stehende Ovationen und lang anhaltender Applaus können nicht genügend ausdrücken, wie sehr uns die Show gefallen hat.

 

Broschüre vom Filmmuseum, von der Revue "The One" im Friedrichstadt-Palast und eine Visitenkarte vom Künstler Iwan Glock
Broschüre vom Filmmuseum, von der Revue "The One" im Friedrichstadt-Palast und eine Visitenkarte vom Künstler Iwan Glock

 

Das Holocaust Mahnmal. Die Vergangenheit ist Teil unserer Geschichte. Wer die Verangenheit verleugnet, verleugnet sich selbst. Keine Generation vermag bei Null anzufangen. Diese Gedenkstätte sollte für jeden Berlin-Besucher ein Programmpunkt sein. Auch wenn die Jugendlichen zwischen den Blöcken fangen spielen, sich unbedarft mit Geschichte auseinandersetzen, so ist es richtig, dass wir erinnert werden. 

 

 

Das KaDeWe. Und ich hatte dann doch Recht: Die Handtasche, die mir gleich am Eingang ins Auge gefallen war, kostete nicht, wie mein Mann schätzte, 2.000,00 sondern 4.500,00 EUR. Wusste ich es doch. Und das Abendtäschchen, nur ein viertel so groß, es hätte gerade einmal ein Tennisball hineingepasst, war dann für einen Schmäppchenpreis von 2.300,00 EUR zu haben.

Hach! Das ganze Kaufhaus ein Luxustempel erster Güte mit hunderten von Besuchern.

Nee, nicht das, was Sie denken. Keine Kunden, sondern Neugierige wie wir, die sich baff vor Erstaunen von Etage zu Etage bewegten, um sich dann ganz oben unter dem Dach auf eine Tasse Kaffee zu treffen.

Berlin war ja schon immer dekadent, oder sehe ich das falsch?

 

 

Ja, nun, der Alexanderplatz, literarisch bekannt geworden durch Alfred Döblin.  Städtebaulich vielleicht mit einem Kraut- und Rübenacker zu vergleichen. Eine Art Weihnachtsmarkt fand bei unserem Eintreffen statt, mit Kinderkarusell und einer klappernden Windmühle, während auf der gut besuchten Museumsinsel ein Flohmarkt seine Besucher fand. Einzig interessant an diesem quasi Weihnachtsmarkt war das Kennenlernen des Künstlers Iwan Glock. (Illustration siehe FOTO oben.)

 

 

Der Besuch des Filmmuseums (Sony-Center) war unspektakulär, eher eine Aneinanderreihung von Fotos und Filmausschnitten mit wenigen Erklärungen, die einen nicht mitrissen, und für die Hopp-und-Stopp-Bus-Sightseeingtour nehmen Sie bitte einen Reiseführer mit. Für den Preis von knapp 20,00 EUR pro Mitfahrer wird Ihnen wenig erklärt, dafür klimpert die ganze Zeit Musik, bis sie den Stöpsel aus dem Ohr ziehen und sich einfach alles ohne Musik und schlecht zu verstehenden Erklärungen ansehen. Dieses Ereignis lohnt nicht.

 

Ach, und noch etwas, ein Latte Macchiato kostet im Adlon 7,50 EUR und schmeckt wie in jedem 0/8/15-Café, dafür plätschert Ihnen aber das Wasser des Elephantenbrunnens fröhlich ins Ohr.

Das Glas links im FOTO haben wir nicht im Adlon genossen, sondern im Amici. Halb so teuer und doppelt so schmackhaft!


 

Mein Fazit:

Berlin IST eine Reise wert!

Nehmen Sie sich ein wenig mehr Zeit, um auch die Geheimtipps kennenzulernen (z. B. die Obama-Fotosonderausstellung im Kennedy-Museum) und nicht nur die offensichtlichen Sehenswürdigkeiten. Und vor allem: Besuchen Sie Berlin bei besserem Wetter. Das kann schon sehr viel ausmachen. Sonne verwandelt sogar die ödeste Betonwüste in ein bauliches Wunder, ich verweise auf den Palast des Lichtes, den Berliner Hauptbahnhof.

 

Ihnen viel Spaß bei Ihrem Berlin-Besuch wünscht

 

Ihre Astrid Seehaus