Gedanken über Erich Kästner und die Frauen

 

Wenn Sie die Dokumentation über Erich Kästner gesehen haben, ist Ihnen nicht nur aufgefallen, dass Erich Kästner weit mehr geschrieben hat als "Emil und die Detektive" oder "Das doppelte Lottchen", sondern dass er auch ein großer Fabulierer von Gereimtem war, oder man denke da an die anderen Geschichten, die im Beitrag erwähnt wurden und die man kaum oder gar nicht kennt. Und Ihnen wird sicherlich während der Sendung aufgefallen sein, dass die Frauen eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt haben.

 

Seine Mutter ebenso wie seine langjährige Begleiterin und viele andere Frauen auch, wie u.a. die Mutter seines einzigen Sohnes Thomas. Und kaum, dass der Film beendet ist, fällt mir auf, dass ich den Namen seiner Freundinnen und Geliebten nicht mehr weiß. Ihre Kreativität bestand darin, Erich Kästner zu "retten" oder zu "vergnügen" oder ihn zu umsorgen, einfach für ihn da zu sein. Es ist nicht verkehrt, jemanden zu umsorgen.  Das ist vollkommen in Ordnung, aber auffällig ist, dass die Frauen kaum eine Chance hatten oder sahen, sich selbst kreativ zu entwickeln. Vielleicht wollten sie das auch nicht. Gekonnt hätten sie es bestimmt.

 

Und das ist ein Weiteres, das mir aufgfallen ist, die Medien fokussieren ihre Aufmerksamkeit immer sehr auf männlichen Künstler. Gab es damals keine Frauen, die geschrieben haben? Kindergeschichten zum Beispiel? Wäre doch naheliegend gewesen? Und wenn ja, wo sind dann die Dokumentationen über diese Künstlerinnen zu sehen? Das Fernsehen scheint nur mit einem Auge zu produzieren.

 

Nein, ich möchte hier nicht polemisch werden. Ich kenne ja nicht alle Dokumentationen. Aber ... und das finde ich auch zum Thema "Erich Kästner und die Frauen"  interessant. Erich Kästner wurde im Rahmen dieser Dokumentation von vier Personen vorgestellt, die sich über seine Persönlichkeit und seine Werke äußerten, davon waren 3 (!) Frauen und 1 Mann, und unter diesen Frauen waren 2 namhafte Künstlerinnen: Cornelia Funke und Caroline Link. Und vielleicht ist das auch der Grund, dass mir auffiel, wie wenig die Frauen damals im künstlerischen Segment Beachtung fanden, wie schwer sie es hatten. Wir haben es nach wie vor schwer, aber nicht so schwer wie früher (oder in anderen Teilen der Welt), und mit den vielen weiblichen Vorbildern, s.o., die  nachkommenden Künstlerinnen den Weg ebnen, sollte es auch für uns Frauen generell einfacher werden, sich in der Welt der Bücher und Filme ganz nach vorne zu schieben und sich dann auch dort zu behaupten!

 

Ihre Astrid Seehaus

 

PS: Das Frauenportrait ist von der Künstlerin Katarzyna Kurek.