Die Welt ist rosa

Die rosarote Brille der Liebesromane

Natürlich lieben wir die Liebe und die Romantik. Wir lieben in der Literatur einen Helden oder eine Heldin. Wir lieben damit auch die Farbe Rosa.

Unbewusst natürlich.

Selbstverständlich wollen wir keine Barbie sein, und es gibt Mütter, die sich gegen diese "Schreckensfarbe" aussprechen, die jegliches Rosa aus den Kinderzimmern verbannen.

An sich ist schon erstaunlich, dass aus der ursprünglichen "Mädchenfarbe" Blau, so in den Zeitungen zu lesen (www.welt.de vom 21.04.2011)  ein Rosa geworden ist. Blau war früher, viel früher, die Farbe für Mädchen. Nun ist die "Mädchenfarbe" ein mit weiß aufgemischtes Rot, das Rosa eben.

Wir sehen die Dinge durch eine rosarote Brille, wenn wir sie romantisieren, sie verschönern, die Realität nicht anerkennen wollen. Tun wir das bei der Liebe denn auch? Ich dachte, Liebe mache blind. Da sieht man doch gar nix.

Also Rosa ist eine Farbe, die nun mal da ist. Ich sehe Mädchen automatisch zu Rosa greifen, wenn sie in den Buchhandlungen ein Buch aussuchen dürfen. Die kleinen wie die großen tun das (ich zum Beipsiel, und ich bin schon sehr groß).

Was verbinde ich denn mit der Farbe Rosa?

Etwas Unschuldiges? - Mag sein.

Romantik? - Das auch.

Die Farbe gefällt? - Ja, bestimmt, sonst würde ich Bücher mit rosa Cover meiden.

An sich weiß ich nicht, warum ich zu rosa Büchern greife. Ich tue es automatisch. Es ist fast schon ein Reflex. Ich denke nicht darüber nach. Vielleicht weil ich mir erhoffe, dass mich eine unschuldige Liebesgeschichte mit einem Happy End zwischen den Buchdeckeln zum Träumen verleitet. Und weil es schön ist, sich einfach mal wegzuträumen, sich für ein paar Stunden schön, reich, verrucht und charmant oder exzentrisch und unwiderstehlich zu fühlen. Im Grunde genommen wissen wir doch, wer wir sind. Wir sind die, die immer das Gleiche im Supermarkt kaufen, die wegen der Hühneraugen die Gesundheitslatschen tragen oder abgearbeitete Hände mit eingerissenen Fingernägeln haben. Wir sind diejenigen, die kochen, putzen, die Kinder erziehen, den Garten bewirtschaften, es für alle zu Hause schön machen. Und wer macht es uns schön?

Sie wissen, was ich jetzt darauf antworten werde!

Genau. Deshalb finde ich Liebesromane mit rosa Cover gar nicht so schlimm, sondern betrachte sie als mein ganz eigenes, klitzekleines Vergnügen, mich für ein paar Stunden wegzuträumen.

 

Ihre Astrid Seehaus